Aufklärungsarbeit  
Seit einigen Jahren beschäftigen sich viele Frauen in den betroffenen Ländern mit der Genitalverstümmelung. Einige von ihnen haben sich zusammengeschlossen und Organisationen gegründet, die Aufklärungsarbeit betreiben. Diese Aufklärungsarbeit wird auch „Grass-Roots Work“ genannt. Die Organisationen, hier am Beispiel von MIAC, bestehen meist aus freiwilligen Mitarbeiter/Innen. MIAC ist eine Organisation, die in Tansania gegen die Genitalverstümmelung kämpft.
In den letzten Jahren ist die Anzahl der männlichen freiwilligen Mitarbeiter gestiegen. Die Mitarbeiter/Innen werden für ihre Arbeit selten entlohnt. Nur wenige Organisationen haben fest angestellte Mitarbeiter/Innen. Die Mehrheit der Mitarbeiter/Innen opfert ihre Freizeit zu Gunsten der Aufklärungsarbeit.
Zu den Aufgaben solcher Organisation gehört es, zu den Menschen zu gehen um sie aufzuklären und das Interesse der Mitmenschen zu wecken. Meist bilden sie Gruppen von 3-4 Aufklärer/Innen, die in Dörfer und Schulen reisen um dort vor Ort aufzuklären. Die Anreise dauert meist mehrere Stunden, so kann es vorkommen, dass die Aufklärer/innen auch für mehrere Tage Unterkunft bei einer Familie finden müssen. Die Aufklärung variiert je nach Zielgruppe. Zielgruppen können Schulmädchen, junge Mütter, alte Frauen, Schuljungen, potentielle Ehemänner oder auch ältere Männer sein. Es kommt jedoch auch vor, dass die Zielgruppen entsprechend der Aufklärungsarbeit gemischt werden. Die Organisationen betreiben aber nicht nur Aufklärung. Sie bieten auch Seminare an, in denen sich Interessierte zu Helfern oder zukünftigen Aufklärer/Innen ausbilden lassen können. An diesen Seminaren nehmen vorwiegend mehr Mädchen als Jungen teil. Die Anzahl der interessierten Jungen ist in den letzten Jahren gestiegen.

Wie sieht der Tag von einer MIAC-Aufklärertruppe aus?
Bevor der Aufklärertrupp sich auf den Weg zum Dorf oder zu der Schule aufmacht, besorgt er ausreichend Sodagetränke und Brot, um den am Seminar Teilnehmenden ein Mittagessen zu ermöglichen.

„Mit gesättigtem Magen lernt es sich leichter.“
Imelda Hayera, Aufklärerin aus Tansania
 
Nachdem die Besorgungen getätigt sind, macht sich die Gruppe in einem gemieteten Auto mit Fahrer auf den Weg zu der Schule. Dort warten meist schon alle Teilnehmer. Viele von ihnen haben schon einen langen Fußmarsch hinter sich, um an diesen Ort zu gelangen. Es folgt eine kleine Begrüßung und die üblichen Gespräche. Die Aufklärer/innen beginnen das Seminar, indem sie über existierende Traditionen reden und die Vor- und Nachteile mit den Teilnehmern zusammen erarbeiten. Geschickt leiten sie zur Genitalverstümmelung über und stellen in diesem Zusammenhang die weibliche und männliche Anatomie des Urogenitaltraktes vor. Jedoch ist die Genitalverstümmelung nicht das einzige Thema über das gesprochen wird. Nebenbei wird auch über AIDS aufgeklärt und beigebracht, wie man sich davor schützen kann. Den Teilnehmern wird erklärt, was bei der Genitalverstümmelung geschieht, was für Folgen diese mit sich bringt und wie AIDS durch sie die Chance hat sich zu verbreiten. Die Aufklärungsarbeit geht über viele Stunden und wird mit kleinen Gesangseinlagen unterbrochen um erneut Konzentration herzustellen. Mittags wird eine große Pause eingelegt, in der die Getränke und das Brot verteilt werden. Solch ein Seminar kann bis zu drei Tage andauern. Danach sind die Teilnehmer ausgebildete Helfer oder Aufklärer. Die Helfer sorgen dafür, dass ihr Wissen über die Genitalverstümmelung unter den Menschen verbreitet wird. Die Aufklärer helfen, weitere Gruppen zu bilden um an mehreren Stellen gleichzeitig Aufklärung zu betreiben.
Warum wird beschnitten?  
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